Wer zahlt die Fussballstadien?Alain Thierstein, Assistenzprofessor für Raumordnung am Institut für Raum- und Landschaftsentwicklung der ETH Zürich Der wirtschaftliche Strukturwandel der 90er- Jahre hat mit der Bauwirtschaft den traditionellen Hauptsponsor der Fussballclubs geschwächt. In die Lücke springen Finanzdienstleister und Medien. Doch das Engagement lohnt sich nur bei einer internationalen medialen Vermarktung. Die Medialisierung macht den Fussball, der als Volkssport soziale und lokale Identität schuf, zur weltweiten Unterhaltungsware. Die Entstehung der europäischen Champions League sowie die Vorgabe des europäischen Fussballverbandes zur Aufrüstung der Stadion auf internationalen Standard setzen die Clubs unter Druck. Der Schweiz Identitäts-Föderalismus macht daraus Projekte mit Überkapazitäten in Zürich, Basel, Bern, Genf und St. Gallen. "Public-Privat-Partnership" lautet das Zauberwort: Die Stadt erhält ein modernes Stadion, das private Geldgeber über kommerzielle Mantelnutzungen finanzieren. Richtig ist: Für europäische Metropolregionen wie Zürich-Basel oder Genf-Lausanne sind gewisse Standortqualitäten unabdingbar. Dazu zählen erstklassige Kultur- und Freizeiteinrichtungen. Die Stadtentwicklung ist auf Investitionen angewiesen, vor allem in zentralen altindustriellen Quartieren. Dazu gehören Fussballstadion als architektonische Wegmarken. Sie vereinigen Eigenschaften privater und öffentlicher Güter. Auf die Frage "Wer zahlt?" gibt aber nur der Einzelfall Antwort. In Zürich wird ein "Publik-Privat-Partnership" gelobt, das scheinbar Sport und Kommerz versöhnt. Doch die Analyse der wichtigen Anspruchsgruppen zeigt, dass der Planungsprozess aus zwei Gründen zeitkritisch ist. Zum einen generiert die kommerzielle Nutzfläche mit Büros und Shopping grossen motorisierten Mehrverkehr. Das Standortquartier rechnet sowieso mit einem wachsenden Verkehrsaufkommen, das auch mit einem Fahrtenmodell nur bescheiden begrenzt werden kann. Umwelt- und Planungsrecht geben einspracheberechtigten Organisationen Rechtsmittel an die Hand, die in ähnlichen Fällen erfolgreich am Bundesgericht eingesetzt wurden. Der lange Instanzenzug kostet Zeit. Zweitens steht in Zürich eine starke Angebotsausweitung an Geschäftsflächen einem markanten Nachfragerückgang gegenüber; Auslastung ist höchstens mit tieferen Erträgen möglich. Auch auf zusätzliche Einkaufsflächen wartet niemand. Weder Demografie noch Realeinkommen machen Sprünge; die Flächenproduktivität der Shoppingzentren stagniert seit Jahren. Diese Unsicherheiten machen das Investment der finanzierenden Grossbank zum Risikokapital. Dies wiegt umso schwerer, als Credit Suisse sich in einer schwierigen Finanzlage befindet und Finanzanalysten deshalb genauer auf neue Portfolio-Investitionen schauen. |